spontan Fremdwort louisatheresa

Ich möchte mich mit meinen Freundinnen treffen. Mal wieder quatschen, sich gegenseitig updaten, ausgehen, einfach Zeit verbringen. Wir sind zu dritt. Wann finden wir ein Datum für unser Date? In vier Wochen.

Ich bin auf ein Konzert eingeladen und eigentlich mit meiner Freundin verabredet. Diese muss leider kurzfristig absagen. Ich frage also, ob jemand spontan Lust hat, abends mitzukommen. Die Reaktionen? „Oh super gerne, aber so spontan schaffe ich es leider nicht.“

Mittlerweile ist das keine Seltenheit mehr in unserem Freundeskreis. Spontan Zeit am Wochenende? Fehlanzeige. Wir stecken alle in unserem Hamsterrad fest. Der wöchentliche Struggle, alles unter einen Hut zu bekommen: 50 Stunden Job, 3 Mal die Woche Sport gehen, alle Freunde treffen, Zeit für Familie finden, Me-Time.

Und um ehrlich zu sein regt mich das SO auf!

Ich fühle mich eingeengt, wenn mein Kalender bereits für die nächsten 8 Wochen komplett durchgeplant ist. Ich bin gerne spontan, möchte meine Freundinnen sehen, wenn ich am Samstagnachmittag Lust auf einen Kaffee habe. Dabei frage ich mich, ob das nur an unserer Generation liegt. Oder war das schon immer so? Gibt man den Begriff „Generation Y“ bei Google ein, tauchen Schlagworte wie Freiheit, Flexibilität und Work-Life-Balance auf. Das kann ich auch absolut so unterschreiben. All das sind Begriffe, die mir wichtig sind. Nur bin ich mir nicht sicher, ob das auch die Realität ist. Wir reden alle davon, dass wir nicht eingeengt werden möchten. Doch im Gegensatz planen wir unsere Freizeit was dein Zeug hält. Wahrscheinlich ist #FOMO noch immer ein Begriff. Die Angst, etwas zu verpassen. Also lieber den Kalender bis oben vollpacken, statt spontan zu sein.

Natürlich ist es kein MUSS, spontan zu sein. Es gibt so viele Menschen, denen gibt ein geplantes Leben halt. Zu wissen, was heute passiert, was am Wochenende ansteht und wo man den Sommerurlaub im nächsten Jahr verbringt. Das ist Sicherheit. Doch seien wir mal ehrlich, wie oft kommt es im Leben anders als man denkt? Der 10-Jahres-Plan hängt ausgedruckt am Kühlschrank. Doch nach zwei Jahren kommt ein unverhofftes Jobangebot und plötzlich befindet man sich an einem ganz anderen Ort, als eigentlich gedacht. Beherrschen wir die Situation also wirklich oder ist das nur unsere eigene Illusion? Und nimmt uns dieses geplante Leben nicht jegliche Freiheiten? Man sagt doch so schön: „die besten Dinge passieren nur spontan.“ Denn werden wir später unseren Kindern erzählen, dass wir jeden Abend bis 20 Uhr brav im Büro saßen, die Aufgaben für unseren Chef erledigt haben und Schritt für Schritt die Karriereleiter nach oben geklettert sind? Oder sind es nicht die spontanen, verrückten Geschichten, die uns in Erinnerung bleiben? Wenn meine Kinder mich später fragen: „Mama, was war das Verrückteste, das du je getan hast?“, dann möchte ich mich zwischen vielen, verschiedenen Geschichten entscheiden müssen. Denn genau diese Stories lassen ein Leuchten in unseren Augen erscheinen, machen das Leben lustiger und lassen den normalen Alltag viel weniger normal aussehen.

Spontan sein macht frei. Aufzuwachen und nicht zu wissen was der Tag mit sich bringt – für mich ist das ein schönes Gefühl. Ich kann handeln, so wie ich es will. Und es hat doch etwas Aufregendes an sich, nicht zu wissen wo die Reise hingeht, oder?

Ich werde mir in Zukunft öfter vornehmen, spontan zu sein. Ja sagen zu unbekannten Dingen. Das Leben genießen.

Love,
Louisa

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